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Gold im Damen-Doppel. Die glücklichen Gewinnerinnen: Verna Fleckenstein (links) und Heike Albrecht


Die deutsche Tennismanschaft: V.l.hinten: Michael Wendler (Physiotherapeut, Peter Mende, Dr. Frank Mollenkopf (beide Trainer), Gunnar Kett, Johannes Bildhauer (DGS-Verbands-Tenniswart) - Vorne v.l.: Hans Tödter, Verna Fleckenstein, Heike ALbrecht, Urs Breitenberger und Torsten Vonthein

Die oberen Ränge der diesjährigen Tennisturniere der 21. Sommer Deaflympics wurden dominiert von den Spielern und Spielerinnen aus Westeuropa. Nachdem es bei den Europameisterschaften in Bukarest eine Wachablösung unter den Einzelspielern gegeben hatte, nutzten Barbara Oddone und Michael Laurent, beide in Bestform, die Chance und bestätigten sich noch einmal als Nummer Eins in der Tenniswelt.

Das japanische 15jährige Überraschungstalent Reiki Kajishita machte es allen männlichen Teilnehmern schwer und holte Silber, die junge Beatriz Villamandos-Lorenzo aus Spanien hatte sich auf die Wettkämpfe hervorragend vorbereitet und stand im Finale Barbara Oddone gegenüber, für die beiden neuen Vize Deaflympicsmeister im Einzel ein beachtliches Debüt.

Für die Deutschen standen die 21. Sommer Deaflympics unter keinem guten Stern. Favoritin Heike Albrecht musste sich bereits bei ihrem ersten Match in drei Sätzen gegen Beatriz Villamandos-Lorenzo geschlagen geben und schied aus den Einzelwettkämpfen aus. Verena Fleckenstein konnte sich mit gewohnt solidem Spiel im Einzel den Einzug ins Viertelfinale gegen Oddone erspielen, gegen die sie dann jedoch unterlag und damit ebenfalls aus dem Einzelturnier ausschied.

Die Chance zur Revanche bekamen die deutschen Damen im Doppel gegen die Villamandos-Lorenzo Schwestern, ein hart umkämpfter Sieg in 3 Sätzen. Nächstes gegnerisches Doppel auf dem Weg zu Gold war die Italienerin Oddone mit Partnerin Susanna Ricci-Bitti, die das Duo Albrecht/Fleckenstein überzeugend schlagen konnte. Damit standen sie im Finale gegen die taiwanischen Schwestern Mei Chiu und Hsiang Chiu Ho, eine nicht zu unterschätzende Paarung, die mit ungewöhnlichem Spiel eine Herausforderung werden würden. Das Finalmatch gestaltete sich dramatisch, Hsiang Chiu Ho erlitt schwere Krämpfe in beiden Beinen und obwohl sie bis zum bitteren Ende durchhielt, kam kein richtiger Wettkampf zu Stande. Das hieß Gold für die deutschen Damen. Grundsätzlich kann man sagen, dass beide ihren Gegnerinnen spielerisch überlegen waren, auch wenn sie das bei diesem Spiel nicht unter Beweis stellen konnten. Große Hochachtung gilt der Haltung der taiwanischen Schwestern gemäß dem Motto dieser Spiele „Never give up!“

Bei den Herren Einzelwettkämpfen erreichten Torsten Vonthein, Gunnar Kett und Hans Tödter das Viertelfinale. Urs Breitenberger, ein Hoffnungsträger der deutschen Tennismannschaft, schied im ersten Einzelwettkampf gegen den Franzosen Vincent Novelli aus. Tödter hatte sich auf die Wettkämpfe hervorragend vorbereitet und überzeugte nahezu durchgängig mit sehr guter Leistung. Er erkämpfte sich den Einzug ins kleine Finale, in dem er auf den jungen ungarischen Europameister Mathe Gabor traf, gegen den er sich trotz couragierter Höchstleistung nicht durchsetzen konnte. In einem Gesamtteilnehmerfeld von 33 Kontrahenten belegt er damit den beachtlichen 4. Platz. Vonthein überzeugte im Auftaktmatch gegen den Taiwaner Wu Lung Chin und erntete stehende Ovationen vom begeisterten Publikum. Im Viertelfinale traf er, wie schon bei der EM im vergangen Jahr, auf den konditionell überlegenen Gabor, gegen den er zwei Spiele nach Hause bringen konnte. Kett behauptete sich in einem beinharten viereinhalb Stunden Match gegen den Chinesen Zengbao Yang. Dann im Viertelfinale gegen den Engländer Darren O’Donnell war klar, dass im Falle eines Sieges sein Gegner im Folgespiel der für ihn nur mit großem Glück zu schlagende Laurent sein würde. Um im Doppel mit Breitenberger am Nachmittag die berechtigte Chance auf einen Medaillenrang wahrnehmen zu können, gab Kett nach zwei zähen Sätzen das Spiel an den Gegner ab.

Zu seinem großen Pech erlitt der am Vortag einen allergischen Schock und wurde am Tag des entscheidenden Herrendoppels gegen die Australier James Swann und Graig Findell auf Grund der medikamentösen Behandlung aus dem Wettkampf genommen. Das hatte für beide Doppelpartner Kett und Albrecht entsprechende Konsequenzen, die Chance auf weitere Medaillenränge für den deutschen Tenniskader schrumpften bedenklich zusammen.
 


Verna Fleckenstein


Heike Albrecht


Gunnar Kett


Hans Tödter


Torsten Vonthein

Damit ruhte die Hoffnung auf den Schultern des Herren Doppel Vonthein und Tödter, Silbermedaillenduo 2005 in Melbourne im deutsch-deutschen Finale. Deren gefährliche Gegner waren der erfahrenen Laurent mit dem 23jährigen, noch unbekannten Novelli. Die Deutschen unterlagen in zwei Sätzen.

Im gemischten Doppel verpasste Tödter mit Partnerin Fleckenstein knapp den Medaillenrang gegen das japanische Duo Tetsuya Matsushita/Yachiyo Abe.

Auch wenn Hans Tödter in diesem Turnier keinen Medaillenrang erreichen konnte, zeigte er fast durchgehend eine Leistung, die hoffen lässt und unter den deutschen Herren ist er der derzeit klarer Favorit. Mit nur einer Goldmedaille und zwei guten Platzierungen musste sich die Mannschaft zufrieden geben, das entspricht nicht den berechtigten Hoffnungen, mit denen man ins Turnier eingestiegen war.

Beide Bundestrainer, Peter Mende und Dr. Frank Mollenkopf, nahmen bei diesen Deaflympics ihren Abschied. Auch wenn ihr letzter Einsatz nicht den erhofften Erfolg gebracht hat, so sind es die beiden, die den Tenniskader in den vergangen 20 Jahren zu einem der erfolgreichsten im DGS gemacht haben. Ihnen sowie den beiden Spielern Torsten Vonthein und Gunnar Kett, die ebenfalls ihr letztes internationales Turnier spielten, gilt der Dank des DGS für das jahrelange erfolgreiche Engagement im Tennisport.


Text: Anne Köster
Fotos: Peter Fiebiger, Rheinhold Lorenz u, Peter Schöler


Zusammenfassung der DL-Tennisergebnisse
(Deutsche Beteiligung fettgedruckt)

Dameneinzel:
1. Runde:

Verena Fleckenstein (GER)
-Raquel Villanmandos-Lorenzo 6:1/6:0;

Achtelfinale:

V.
Fleckenstein  - Dandan Li (CHI) 6:0/6:0;
Beatriz Villanmandos-Lorenzo (ESP) - Heike Albrecht (GER) 6:2/6:1;

Viertelfinale:

Barbara Oddone (ITA) - V. Fleckenstein 6:1/6:2

Halbfinale:

Barara Oddone (ITA) - Chiu-Mei Ho (TPE) 6:3/6:1; 
Beatriz Villanmandos-Lorenzo (ESP) - Yachiyo SAbe (JPN) 3:6/6:3/6:4

Spiel um 3. Platz:

Chiu-Mei-M. Ho - Yachiyo Abe 7:5/6:3

Finale:

Barbare Oddone -  Beatriz Villanmandos-Lorenzo 6:3/6:2


Damendoppel:

Viertelfinale:

H. Albrecht/V. Fleckenstein (GER)
- B. Villanmandos-Lorenzo/R. Villanmandos-Lorenzo (ESP) 7:5/1:6/6:1
Halbfinale:

H. Albrecht/V. Fleckenstein
- B. Oddone/S. Ricci-Bitti (ITA) 6:2/6:4;
C.-H. Ho/ C.-M. Ho (TPE) - Y. Abe/M. Tsujika (JPN) 6:1/6:0

Spiel um 3. Platz:
.
B. Oddone/S. Ricci-Bitti -  Y. Abe/M. Tsujika 6:0/6:3

Finale:

H. Albrecht/V. Fleckenstein
- Chiu-Hsiang Ho/Chiu-Mei HO (TPE) 2:6/6:2/6:1


Herreneinzel:

1. Runde:
 
Torsten Vonthein (GER)
- Wu-Lung Chin (TPE) 6:1/6:0;
Gunnar Kett (GER)
- Zengbao Yang (CHI) 7:6/6.3/7:5; Vincent Novelli (FRA) -
Urs Breitenberger (GER)
6:2/2:6/9:7;
Hans Tödter (GER)
- Glen Flindell (AUS) 3:6/6:2/6:2

Achtelfinale:

Torsten Vonthein
- Tetsuya Matsushita (JPN) 6:2/6:1;
Darren O'Donnel (GBR) - Gunnar Kett 6:3/2:6/3:1 Aufgabe;
Hans Tödter
- Maxime Sanchez (FRA) 6:3/6:3

Viertelfinale:

Gabor Mathe (HUN) - Torsten Vonthein 6:1/6:1;
Hans Tödter
- Lewis Fletcher (GBR) 6:3/6:1

Halbfinale:
Mikael Laurent (FRA) . Gabor Mathe (HUN) 7:5/6:4;
Reike Kajishita (JPN) - Hans Tödter 6:3/6:4

Spiel um 3. Platz:

Mathe Gabor - Hans Tödter 6:4/6:0

Finale:

Mikael Laurent -  Reike Kajishita 6:2/6:1/6:2


Herrendoppel:

Viertelfinale:

M. Laurent/V. Novelli (FRA) - H. Tödter/T. Vonthein (GER) 6:4/6:2;G.
Flindell/S. Swann (AUS) - G. Kett/U. Breitenberger (GER) o. Sp.

Halbfinale:

M. Laurent/V. Novelli (FRA) - D. Erlbacher/M. Kargl (AUS) 7:6/6:1;
G. Flindell/S. Swann (AUS) - D. O'Donnel/L. Fletcher (GBR) 6:2/7:5

Spiel um 3. Platz:
 
D. Erlbacher/M. Kargl -  D. O'Donnel/L. Fletcher 7:5/6:2

Finale:
 
M. Laurent/V. Novelli - G. Flindell/S.  Swann 6:4/6:4/4:6/7:6


Gemischtes Doppel:

Viertelfinale:

V. Fleckenstein/H. Tödter (GER)
- J. Wojahn/A. Gomez (USA) 6:1/6:0;
Y. Abe/T. Matsushita (JPN) - H. Albercht/U. Breitenberger (GER) o. So.

Halbfinale:

B. Oddone/G. Damiani (ITA) - V. Fleckenstein/H. Tödter (GER) 1:6 6:1/11:9;
C. Graham/A. Sinclair (GBR) - Y. Abe/T. Matsushita (JPN) 6:1/6:1

Spiel um 3. Platz:

Y. Abe/T. Matsushita  - V. Fleckenstein/H. Tödter 6:4 6:4

Finale:

C. Graham/A. Sinclair - B. Oddone/G. Damiani 6:4/4:6/6:3
 

Spielbericht und Vorbericht